Popkulturelle Figurationen des Hackers

Vortrag von Anne Ganzert (TP 3) auf dem 30. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquium (Hamburg, 08.-10.03.2017)

 

Abstract

„Our Society has been hacked”[1] — Spätestens mit dem ‚Personal Computer’ hielten Figurationen von Hackern Einzug in Film und Fernsehen (Weird Science, Hackers, War Games uvm.) und mit den ‚mobile media’ passten sich diese Erzählungen an. Der Vortrag stellt ein Projekt vor, das ermitteln will, wie die Bewegung peripher Hacking-Phänomene in Kontexte der Popkultur vonstatten geht und welche Widerständigkeiten und Kongruenzen dabei entstehen oder beobachtbar werden. So finden sich unzählige Beispiele aus Büchern, Filmen, Serien und Games, in welchen verschiedene Figurationen des Hackers in den Vordergrund treten.[2]

Dabei werden zum Beispiel die in politischen Protestkulturen deklarierten flachen Hierarchien durch die Präsentation von fiktiven Anführern in Frage gestellt (Alias). Gleichzeitig referiert z.B. die Maske von Anonymous auf den Film V wie Vendetta. Die Serie Homeland wiederum zeigt maskierte Proteste, die von Anonymous inspiriert sind. Manche Fiktionen werfen Fragen nach einer (moralischen) Berechtigung von Hacking auf (Who am I), hinterfragen kriminelle Motivation (Blackhat) oder „leaking“ (Underground). In anderen verdichten sich Utopien und Dystopien, z.B. hinsichtlich der Überwachung des öffentlichen Raumes (Person of Interest, Watch Dogs). Zudem parodieren sich mache Hackerfigurationen selbst, z.B. das ‚Nerd’-Dasein oder Fanpraktiken (The IT Crowd, Sherlock). Interessant sind auch Figuren, bei denen Gerät und Figur identisch werden (Heroes).

Der Vortrag wird Figurationen des Hackers in fiktionalen Kontexten aufzeigen und den Versuch einer Kategorienbildung unternehmen. Interessant sind dabei Verschiebungen von Peripherie zu Zentrum oder Subversion zu Mainstream. Dabei wird der Schwerpunkt auf Inszenierungen der Gemeinschaftsbildung gelegt, so dass Figurationen des Hackers zu Figurationen der online community werden. Eine Diskursanalyse ihres popkulturellen Erscheinens ermöglicht so die medienwissenschaftliche Reflektion.

[1] Slogan von Mr. Robot, USA Network 2015.

[2] Im Folgenden werden jeweils in Klammern Beispiele genannt, die exemplarisch für die beobachteten narrativen Figuren und Figurationen stehen.


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