Nicht*Sagbar. Regulierungen der/durch Wissensproduktion

CALL FOR PAPERS (PDF Version)

Frühjahrsakademie derDFG-Forschungsgruppe „Mediale Teilhabe. Partizipation zwischen Anspruch und Inanspruchnahme“, in Kooperation mit der Zürcher Hochschule der Künste

Universität Konstanz, 10.-12. April 2019

Die Sensibilität für die prägende Kraft diskursiver Praktiken auf die Verfertigung und Zugänglichkeit von Sprach- und Wissensordnungen wird gegenwärtig in vieler Hinsicht auf die Probe gestellt. Dieser Befund ergibt sich angesichts aktueller Ereignisse – von #MeToo und Hate Speech über Carolin Emckes Essay gegen die Sprachlosigkeit bis hin zu rechtspopulistischer Lexik und der Ausdehnung der Grenzen des Sagbaren – und wirft unterschiedliche Fragen auf. Eine zentrale dieser Fragen betrifft die Diskurse, die stets auch als gesellschaftliche Produktionsmittel zu verstehen sind, die Subjekte diskurs- und mithin handlungsfähig machen oder dies verweigern. Im derzeitigen Diskurs regelt das nach wie vor vorrangig binär operierende Konzept der Zweigeschlechtlichkeit (und letztlich jede Art identitätspolitischer Intervention) häufig die Möglichkeiten und Bedingungen des Angesprochen-Werdens wie auch des Sich-Angesprochen-Fühlens. Teilhaberelationen entstehen damit in und durch mediale/n Praktiken, die das Nicht*Sagbare machtvoll durchziehen und stratifizieren. Gleichzeitig bleibt unübersehbar, wie jeder Versuch, die Möglichkeiten des Ansprechens – und damit der Anerkennung (Bedorf) – zu vervielfältigen, sein Ziel allen/m Angesprochenen, z.B. in genderpolitischer Hinsicht, gerecht zu werden, notwendig verfehlt. Denn jede Sprach­regelung produziert in den Lücken ihrer Differenzierung ihre je eigenen Ausschlüsse und Nicht-Sagbarkeiten. Darüber hinaus etabliert jedes Sagbarmachen eine machtvolle Position des Entscheidens über Teilhabemöglichkeiten und
-be­dingungen, die sich einerseits durch ein Wissensregime autorisiert und von der aus andererseits Wissens­produktionen gesteuert sowie Relationen zu Sichtbarmachungen gestiftet werden.

Im Rahmen der Frühjahrsakademie möchten wir den Regulierungen von Teilhabe durch Wissens­produktion über das Nicht-/Noch-Nicht-/Nicht-Mehr-/Nicht-Vollständig-/Sagbare in den Feldern Sprache, Recht, Institutionen, Kunst und Philosophie nachgehen.

Mögliche Fragen zu den thematischen Bereichen können beinhalten:

  • Welche (normativen) Prozeduren lassen etwas, in einem zeitlich-räumlich Dispositiv Nicht*Sagbar, Nicht*Sichtbar oder Nicht*Hörbar werden und (wie) werden diese selbst vernehmbar?
  • Was, wie, wo, für wen, oder unter welchen Voraussetzungen wird etwas nicht*sagbar? Wenn Möglichkeiten und Bedingungen der Subjektivierung über diskursive Positionierungen des Angesprochen-Werdens, der Diskurs- und Handlungsfähigkeit verhandelt werden, wie können diese Regulierungen sichtbar gemacht und möglicherweise unterlaufen werden?
  • Welche neuen Formen des Nicht-Sagbaren werden durch das Wissen über den Machtgestus jeglicher Wissensproduktion hervorgebracht, welche ‚Stop-Regeln‘ der Aussagbarkeit hemmen somit die Verfertigung von Wissen und wie schreibt sich diese Problematik in die Forschungsagenda von Institutionen ein?
  • Inwiefern fordern die Aussagepraktiken und Regulierungen digitaler Konstella­tionen zu Reflexionen über die sprachlich verfertigten Ein- bzw. Ausschlüsse von (Nicht-)
    Teilhabenden heraus?
  • In der Rede von diskursiven Praktiken scheint die Materialität der Nicht*Sagbarkeiten häufig zu verschwinden. Wie können wir die repräsentationalistische Logik erweitern, um aus- wie auch einschließende Praktiken in ihren spezifisch materiellen Konfigurationen zu beschreiben?

Interessierte Teilnehmer*innen werden gebeten, in einem 1-seitigen Diskussionspapier – mit Bezug auf die genannten Themenfelder – zum Verhältnis von Gender, Teilhabe und Sicht- bzw. Sagbarkeiten Stellung zu nehmen. Der Call richtet sich in erster Linie an Doktorand*innen und Postdoktorand*innen. Das Papier schicken Sie bitte mit einer kurzen biographischen Notiz (ca. eine halbe Seite) bis zum 31. Januar 2019 als PDF-Datei an robert.stock[at]uni-konstanz.de.

Es stehen begrenzte Mittel für die Teilnahme der Nachwuchswissenschaftler*innen an der Veranstaltung zur Verfügung. Bei Annahme zur Frühjahrsakademie werden die Kosten für Ihre Unterkunft von der Forschungsgruppe getragen. Kosten für die Anreise nach Konstanz können nicht übernommen werden.

Kontakt

Robert Stock
Koordinator
DFG-Forschergruppe „Mediale Teilhabe. Partizipation zwischen Anspruch und Inanspruchnahme“
Medienwissenschaft, Fach 157
Universität Konstanz
78457 Konstanz

E-Mail: robert.stock[at]uni-konstanz.de