Teilprojekt 3

UnitedKingsom

Smartphone-Gemeinschaften. Dynamiken der Resistenz in Relationen der Teilhabe

Projektleiterin: Prof. Dr. Isabell Otto (Universität Konstanz)

Mitarbeiterin: Anne Ganzert
Assoziiert: Philip Hauser
Studentische Mitarbeiterin: Theresa Gielnik

Zusammenfassung

Teilhabebeziehungen, die mit dem Smartphone ermöglicht werden, sind durch ein dynamisches Wechselspiel zwischen widerständigen Praktiken und widerstehenden Machtkonstellationen geprägt. Das Teilprojekt untersucht diese Dynamiken unter dem Begriff der Resistenz, um die vielfältigen Operationen der Widerständigkeit oder Immunisierung zu beschreiben. Die leitende Forschungsfrage richtet sich auf die Temporalisierung der Teilhabe an Smartphone-Gemeinschaften. Mediale Teilhabe wird in den Dynamiken der Resistenz in ihrer Prozessualität und temporären Verfestigung befragt. Die Bestimmung der Smartphone-Mitteilung als verbindendend-trennende Relation der Teilhabe unter der Bedingung mobiler und digital vernetzter Medien bildet den Ausgangspunkt für Fallstudien und theoretische Systematisierungen von Teilhabeprozessen. Dabei wird die Dynamisierung von Resistenz in ihrer (Er-)Öf­fnung und Schließung von Spielräumen der Teilhabe untersucht. Die Verfertigung von Peripherien, Nischen und Subkulturen von Smartphone-Gemeinschaften ebenso wie die Immunisierungsstrategien von Machtzentren beschreibt das TP als Gesten der (Re-)Strukturierung oder (Neu-)Formatierung und in diesem Sinne als Dynamisierungen von Relationen der Teilhabe, die sich ständig im Wechselspiel von temporärer Positionierung und Auflösung von Positionen im Prozess der Umstrukturierung vollziehen.

Das TP richtet sich in drei Arbeitsbereichen auf die konkreten Situationen, in denen sich Resistenzen in Teilhabeprozessen konkretisieren und beobachtbar werden: AB 1 „Fingieren. Popkulturelle Zuschreibungen in Fernsehserien und ihren Fankulturen“ untersucht Narrative der (Kritik an) Smartphone-Gemeinschaften und verhandelt somit Temporalisierungen von Relationen der Teilhabe als temporäre Fixierung, Serialisierung und Sinnverschiebung. AB 2 „Formatieren. Das Spiel mit dem offenen Objekt Smartphone“ untersucht Praktiken, die durch Basteln oder Hardware-Hacken neue Funktionen des Geräts hervorbringen und nimmt immunisierende Schließungsbewegungen aus ökonomischen Interessen in den Blick. AB 3 „Positionieren. Politiken der Krise in Smartphone-Gemeinschaften“ untersucht die Verfertigung von Smartphone-Gemeinschaften in aktuellen Ereignissen und krisenhaften Konstellationen. Ziel ist es, über situative Detailanalysen Dynamiken zwischen Widerständigkeit und Immunisierung in unterschiedlichen Feldern vergleichend zu untersuchen und so zu einer medientheoretischen Konkretisierung und Systematisierung von Teilhabeprozessen zu gelangen. Dabei strebt das TP an, Begrifflichkeiten herauszuarbeiten und in den Fallstudien zu bestimmen, mit deren Hilfe die unterschiedlichen Facetten von Temporalisierung beschreibbar werden: Wiederholung, Antizipation, Nachträglichkeit, Aufschub, Verschiebung, Serialisierung und temporäre Verfestigung. Die Fallstudien widmen sich der Frage, wie aus den Operationen, narrativen Entwürfen sowie Praktiken des Smartphones Resistenzen vorübergehend verfertigt oder überwunden werden.

 

 

Smartphone-Gemeinschaften.
Teilhabe als Versprechen und Zumutung
(abgeschlossen: 2015-2018)

Projektleiterin: Prof. Dr. Isabell Otto (Universität Konstanz)

Mitarbeiterin: Anne Ganzert
Assoziiert: Philip Hauser
Studentische Mitarbeiter*innen: Julia Ihls, Theresa Gielnik

Veröffentlichungen des Projekts

Zusammenfassung

Das Smartphone ermöglicht die Teilhabe an mobilen und digital vernetzten Gemeinschaften. Dabei fungiert das Gerät nicht nur als mobiles Kommunikationsmittel, das Versammlungen ad hoc koordinierbar macht und so als Instrument der politischen oder sozialen Partizipation dienen kann. Vielmehr findet Gemeinschaftsbildung und -auflösung zunehmend nicht nur als Miteinander am selben Ort statt, sondern in medialen Relationen zwischen raumzeitlich dispersen, mobilen Usern und Geräten. Im Rahmen der Forschergruppe „Mediale Teilhabe. Partizipation zwischen Anspruch und Inanspruchnahme“ untersucht das Teilprojekt deshalb, wie Gemeinschaft in medialen Austauschprozessen verfertigt wird. Mit dem leitenden Konzept ‚Smartphone-Gemeinschaften’ fragt es nach den Gemeinschaftsformierungen, die durch Prozesse des Smartphones, wie den Austausch von Nachrichten, Bildern oder Geodaten, ermöglicht oder verhindert werden.

Das Teilprojekt trägt zum Rahmenthema der Forschergruppe bei, indem es mediale Teilhabe als menschliche und technische Entitäten gleichsam trennende wie verbindende Mit-Teilung eng auf diese Smartphone-Operationen bezieht. Das Gerät wird dabei als ein netzförmig-offenes Objekt der Teilhabe untersucht, das seine User gleichermaßen in Anspruch nimmt wie es von ihnen in Anspruch genommen wird. Teilhabe an und die Herausbildung von Smartphone-Gemeinschaften wird als ein Vorgang beschrieben, der durch Versprechen und Zumutungen geprägt ist. Die nur in medialen Operationen des Mit-Teilens gegebene und stets unabgeschlossen verfertigte Smartphone-Gemeinschaft ist ein Horizont, an dem sich User-Praxen orientieren, der aber stets nur als noch zu erreichende, in die Zukunft verschobene Figuration oder gar utopische Fiktion von Gemeinschaft gegeben ist. Gemeinschaftsbildung und -auflösung wird jedoch auf Smartphone-Displays in Form von Status- und Standortmeldungen, Bilder-Galerien oder Adresslisten vorübergehend sicht- und beschreibbar.

Die Forschungen des Projekts richten sich somit in einer Verschränkung von praxeologischen und diskursanalytischen Methoden 1.) auf die Entwicklung eines differenzierten medienkulturwissenschaftlichen Analysemodells, das die Prozesse der Teilhabe an ausgewählten Apps und Plattformen erschließbar macht; 2.) auf die Erforschung von Dynamiken der Gemeinschaftsbildung im Wechselspiel von technologischer Bedingung des Smartphones, diskursiven Zuschreibungen durch Werbung oder Publizistik und User-Praxen; und 3.) auf die Beschreibung von Interfacing-Prozessen zwischen Usern und Geräten, die an unterschiedlichen Orten und mit differenten Eigenzeiten an der Vergemeinschaftung beteiligten sind. Die strikt an den Mit-Teilungen des Smartphones orientierte Vorgehensweise dient der systematischen Erschließung der medialen Möglichkeitsbedingungen mobiler Gemeinschaften und versteht sich somit als medienwissenschaftliche Grundlagenforschung für weitere gesellschaftspolitische und kulturell vergleichende Studien zu Partizipation und mobilen Medien.