Teilprojekt 2

UnitedKingsom

Recht auf Mitsprache:
Das Cochlea-Implantat und
die Zumutungen des Hörens

Projektleiterin: Prof. Dr. Beate Ochsner (Universität Konstanz)

Markus Spöhrer
Robert Stock
Louise Haitz
Michel Schreiber
Philipp Speth

Zusammenfassung

Im TP 2 werden Gebrauchsweisen des Cochlea-Implantats untersucht, das als mediale Schnitt- und Umschaltstelle zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren soziokulturelle Teilhabe bzw. Mitsprache verspricht oder verweigert. Im Fokus der Analyse stehen dabei diejenigen Mediationsprozesse, die die Versammlung unterschiedlicher Akteure im Handlungsfeld ermöglichen oder verhindern, wie auch deren Handlungsprogramme, die zwischen Euphorie und Verweigerung, Ansprüchen und Inanspruchnahmen, Teilhabeversprechen und Norm(alis)ierungszwang anzusiedeln sind. So wird das CI weder als Artefakt noch als medizinisches Instrument verstanden, vielmehr basieren die Untersuchungen im TP auf der Überzeugung, dass die Akteure im Handlungsfeld CI in ko-evolutionären Individuationsprozessen hervorgebracht und in wechselseitig wirksamen Adaptationsprozessen eingestellt werden, im Rahmen derer Gebräuche, Handlungsprogramme, diskursive Wissensformationen, etc. mit-geteilt werden. Dabei fungiert das CI als „Kitt“ (Schroer 2008: 386), der die erscheinenden biosozialen Vergemeinschaftungen gleichermaßen trennt wie verbindet und als Quasi-Objekt selbst immer wieder transformier- und (re-)funktionalisierbar bleibt.

Die Untersuchungen im TP gliedern sich in drei Arbeitsbereiche aus, im Rahmen derer die medialen Bedingungen von Gemeinschaftsbildung und -auflösung sowie die von Ex- und Inklusion untersucht werden: Während im AB 1 die Analyse der medialen Bedingungen der Teilhabe/Nicht-Teilhabe an CI-Gemeinschaften im Zentrum steht, werden im AB 2 anhand dokumentarischen Filmmaterials diejenigen audiovisuellen Operationen untersucht, die in gleichem Maße kulturelles Wissen über Hören, Gehörlosigkeit oder CI-Hören verfertigen, wie sie selbst durch diese Praktiken geprägt werden. In AB 3 stehen dann Analysen der ethischen, sozialpolitischen, technik- und wissenschaftsphilosophischen Diskurse um das CI zwischen Therapie oder Enhancement im Mittelpunkt. Auch an dieser Stelle nehmen die subjekt- und gemeinschaftskonstituierenden Medialisierungen von spezifischem Wissen über das CI sowie deren Mobilisierung, Funktionalisierung und Instrumentalisierung eine zentrale Stellung ein, was gleichermaßen bestimmte Ein- und Ausschlussbedingungen reguliert und bedingt.

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