Workshop zu Latours Existenzweisen

11.-12.05.2016
„How do we compose a common world?”
Bruno Latours Existenzweisen der Moderne(n)
Workshop/Blockseminar
DFG-Forschergruppe „Mediale Teilhabe. Partizipation zwischen Anspruch und Inanspruchnahme“
Zusammen organisiert mit Andrea Seier (Konstanz/Wien).
Mit einem Abendvortrag von Henning Schmidgen (Weimar) am 11.05.2016
Universität Konstanz, Bischofsvilla

Mit Vorträgen von Henning Schmidgen (Weimar), Michael Cuntz (Weimar), Stephan Trinkaus (Düsseldorf), Michael Schillmeier (Exeter), Veronika Pöhnl (Konstanz) und Markus Spöhrer (Konstanz).

Programm als PDF.

Nachdem die Akteur-Netzwerk-Theorie in den Kontext der Medienwissenschaft auf vielfältige Weise Eingang gefunden hat, legt Bruno Latour und viele MitstreiterInnen eine Kombination von Internetplattform und Buchpublikation vor, die die ANT reformuliert und in eine Auseinandersetzung bzw. einen „vorläufigen Bericht“ über sämtliche Existenzweisen der Moderne(n) überführt. Fünfzehn Existenzweisen werden dabei tabellarisch unterschieden und mit mehr oder weniger eingängigen Abkürzungen versehen: Wissenschaft (REF), Technik (TEC), Politik (POL), Literatur (FIC), Religion (REL) usw. Mit dem Begriff der Existenzweise ist das Versprechen verknüpft, die vermeintliche Gegenüberstellung von Akteur und Netzwerk, die (nicht nur in der Medienwissenschaft) zu zahlreichen Missverständnissen im Anschluss an die ANT geführt hat, zu überwinden. Auch die Trennung zwischen Medium und Substanz, Sprache und Sein steht mit dem Begriff der Existenzweise auf dem Spiel. Er zielt stattdessen auf die Verflechtung von sämtlichen Lebensbereichen, denn: auch die globalen Problemstellungen der Moderne, von denen der Klimawandel nur ein Beispiel unter vielen darstellt, verknüpfen TEC, POL, REF und andere Modi der Existenz. Im Unterschied zum abstrakten Begriff des Netzwerks gerät mit dem Begriff der Existenzweisen auch die Art der Verflechtung selbst in den Blick. Unterschiedliche Zeitlichkeiten, Tonalitäten und Asymmetrien von Handlungsmacht gewinnen eine neue Aufmerksamkeit, und verlangen, so die These von Bruno Latour, diplomatisches Denken und Handeln in einem umfassenden Ausmaß. Mit der Frage „How do we compose a common world?“ beginnt entsprechend die Internetplattform der AIME („An Inquiry of Modes of Existence“), an der sich bisher schon mehrere Tausend ForscherInnen innerhalb und außerhalb der akademischen Welt beteiligt haben.

Im Workshop sollen einige zentrale Aspekte der AIME diskutiert und mit benachbarten Ansätzen von Gilbert Simondon, Isabelle Stengers, Karen Barad und Etienne Souriau in Beziehung gesetzt werden. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich medienwissenschaftliche Perspektiven von der ANT zum Projekt der AIME verschieben: vom Netzwerk zum Entanglement, vom Aktant zum Attachment, von der Konstruktion zur Instauration, von der Vermittlung zur Verflechtung von Existenzmodi. Auch die Frage nach der ästhetischen Dimension in Latours Arbeit soll dabei zum Thema werden.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Kulturwissenschaftliches Kolleg, Otto-Adam-Str. 5, Konstanz

9:00 Uhr          Studentisches Blockseminar (ganztägig)

18:30 Uhr        Öffentlicher Abendvortrag

Existenzweisen oder Seinsweisen?
Zur Genealogie von Latours philosophischem Projekt
Henning Schmidgen (Weimar)

In seinem großangelegten Entwurf für eine „Anthropologie der Modernen“ bezieht sich Bruno Latour auf Gilbert Simondon und Etienne Souriau, um den von ihm in Anschlag gebrachten Grundbegriff der „Existenzweise (mode d’existence)“ zu begründen. Ausgehend von diesen Hinweisen entwirft der Vortrag eine Genealogie dieses Konzepts, die bis auf Husserl zurückführt. Tatsächlich sind es Husserl-Schüler wie Roman Ingarden, die in den 1920er und 1930er Jahren die philosophische Rede von Existenz- bzw. Seinsweisen so prominent gemacht haben, dass sie auch im französischsprachigen Raum aufgegriffen wurde, u.a. von Souriau. Da Ingarden diese Rede innerhalb einer Ontologie der Literatur und Kunst entfaltete, steht damit zur Debatte, ob und inwiefern auch Latours Anthropologie einem ästhetischen Paradigma folgt.

20:00 Uhr        Abendessen

 

Donnerstag, 12. Mai 2016

Kulturwissenschaftliches Kolleg, Otto-Adam-Str. 5, Konstanz

09:00 Uhr
Begrüßung
Andrea Seier (Konstanz/Wien)

Panel I

09:30 Uhr
Werkstattgespräch zu medienwissenschaftlichen Anschlüssen an die ANT
Veronika Pöhnl und Markus Spöhrer (Konstanz)

11:00 Uhr       
Kaffeepause

11:15 Uhr
„Materialität und Fiktion“: Die Wesen der Fiktion situieren
Stephan Trinkaus (Düsseldorf)

12:45 Uhr
Mittagsimbiss

Panel II

14:15 Uhr
Jenseits des Experiments: Latour-Stengers
Michael Cuntz (Weimar)

15:45 Uhr
Kaffeepause

16:00 Uhr
Überlegungen zum Doppelklick (Skypegespräch)
Michael Schillmeier (Exeter)

19:00 Uhr
Abendessen

 

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