Workshop Teilprojekt 3: Schreiende Minderheiten

Screen Shot 2017-06-25 at 11.49.27Hier finden Sie das Programm. Der Workshop wird organisiert vom Teilprojekt 3. Externe TeilnehmerInnen melden sich bitte bei Anne.ganzert[ät]uni.kn vorher an. An der Keynote können alle Interessierten gerne auch unangemeldet teilnehmen.

In den Medienkulturen des Internets finden Verteilungen von Vorlieben, Interessen und Gesinnungen statt, die mit dem ohnehin problematischen Begriff des ‚Massenmediums’ nicht zu fassen sind. Das Netz befördert ebenso die Vermarktung von Nischen-Produkten wie es die Herausbildung von Subkulturen und die Vergemeinschaftung von ‚Randexistenzen’ oder ‚vergessenen Minderheiten’ ermöglicht. Smartphones und andere mobile Devices sind für diese Vorgänge deshalb so zentral, weil sie die Herausbildung und Veränderung von ortsübergreifenden Gemeinschaften in der Bewegung erlauben. Dabei spielt eine zentrale Rolle, welche Spuren die Gemeinschaftsbildung durch die Bewegungen der User im Raum auf Smartphone-Displays hinterlässt. Gemeinschaften verfertigen sich in medialen Relationen zwischen raumzeitlich dispersen, mobilen Usern und Geräten. Dabei fi ndet jedes Thema sein Forum, jedes Bedürfnis seine App, jedes Format seine Fans, jede Neigung Gleichgesinnte und jede noch so radikalisierte Meinung ihre Befürworter. Dieser Umstand ist in jüngster Zeit besonders brisant geworden: Im Zuge der Flüchtlingsdebatte in Europa und des US-amerikanischen Wahlkampfs wird die Macht von digital vernetzten ‚schreienden Minderheiten’ kenntlich, die einer ‚schweigenden Mehrheit’ gegenübertreten und in einer breiten Öffentlichkeit eine unerwartete Resonanz erfahren. Diese politisierte Gemeinschaftsbildung in und aus dem Peripheren ist nicht nur im Bereich des Politischen im engeren Sinn zu beobachten: So zeigt sich z.B. besonders in subkulturellen Protestkulturen die Macht der Serienfans. Diese wiederum fi ndet einen Widerhall in Fernsehserien mit der Ästhetisierung von Widerstandskämpfern des digitalen Zeitalters, wie sozialen Hackern.

Der Workshop widmet sich den Potenzialen und Problematiken der überraschenden Macht peripherer Gemeinschaftlichkeit unter der Bedingung der mobilen Vernetzung. Mit ‚Gemeinschaftlichkeit’ möchte der Workshop Gemeinschaft in ihrer Dynamik und Wandelbarkeit, nicht als fi xierbare Einheit, sondern als Prozess untersuchen. Es sollen dabei besonders Vorgänge der Gemeinschaftsbildung in den Blick genommen werden, die aus den medialen Austauschprozessen von Texten, Bildern oder Videos hervorgehen und somit durch digital vernetzte und mobile Technologien ebenso ermöglicht wie eingeschränkt werden. Gefragt wird somit nach Gemeinschaftsbildungen und -auf-lösungen, die eng an den ubiquitären Zugriff auf bzw. die beständige Möglichkeit der Speicherung von sich fortlaufend wandelnden kollektiven Wissensbeständen gebunden sind. Wie, so die zentrale Frage des Workshops, vollziehen sich die Bewegungen und Grenzverschiebungen der Teilhabe – etwa von der Peripherie ins Zentrum der Aufmerksamkeit oder von einer Sichtbarkeit auf Displays hin zu physischen Versammlungen vor Ort?

PROGRAMM

Donnerstag, 13.07.2017 – Universtät (A703)

17:00
Donald Trumps Medien
Niels Werber (Siegen)

Freitag, 14.07.2017 – Bürgersaal

9:00 – 9:30
Begrüßung & Einführung
Isabell Otto und Anne Ganzert (Konstanz)

9:30 – 10:45
Hate Speech oder Hate Texting?
Zur Medialität von Hasskommentaren im Netz
Erika Linz (Bonn)

Kaffeepause (Kaffee im Bürgersaal)

11:15 – 12:30
Von #creepfeedback und Karmafarmern.
Dynamiken ephemerer-anonymer Vergemeinschaftung auf Jodel
Timo Kaerlein (Paderborn)

Mittagspause (Lunch im Bürgersaal)

14:00 – 15:15
Verstrickte Ästhetik. Deutsch-türkische Literatur und Film
zwischen ‘schreienden Minderheiten’ und ästhetischer
Selbstbeschreibung
Özkan Ezli (Konstanz)

Kaffeepause (Kaffee im Bürgersaal)

15:45 – 17:00

Weltgefühle: Zur Affektpolitik und Öffentlichkeit
aktivistischer Netzvideos
Chris Tedjasukmana (Berlin)

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