Christina Lammer: Empathografie

Impulsvortrag im Rahmen der Frühjahrsakademie Nicht*Sagbar am 11. April 2019.

 

Zusammenfassung:

Eine Wortkreation, in der sich Einfühlung mit Darstellbarkeit verbindet: Empathografie ist zudem der Titel einer Serie von filmischen Arbeiten, die im Rahmen meiner künstlerischen Forschung an der Medizinischen Universität Wien (MUW) entstanden sind, wo ich mich seit zwanzig Jahren gemeinsam mit ÄrztInnen und PatientInnen mit Themen zur Körperwahrnehmung beschäftige. Stets in Begleitung meiner Kamera. Empathie – sich in eine andere Person hineinfühlen – verstehe ich als körperliches oder besser als leibliches Phänomen, als physisches Erspüren, das sich über Bewegung und Handeln erschließt und nur am Rande über das Sagbare. In den Videos und Filmen, die ich für meinen Beitrag zusammengestellt habe, versuche ich buchstäblich ins ästhetische Erleben von Einfühlung einzudringen: Empathographie (2012/14), 10 Minuten, HD, wurde gemeinsam mit Brigitta entwickelt, einer Brustkrebspatientin, die ich 2005 kennengelernt habe. Sie ist vor wenigen Wochen verstorben und ich widme ihr meine Präsentation. Zudem werde ich Material einer ‚autopathographischen‘ Arbeit zeigen, in der ich mich mit der eigenen Körperlichkeit nach dem ‚Einbau‘ von Hüftendoprothesen auseinandersetze.  Ein nicht*sagbarer Tanz mit Krücken.

Christina Lammer lebt und arbeitet als Soziologin, Kultur- und Kommunikationswissenschafterin in Wien (Österreich). Sie verwirklicht zudem experimentelle ethnografische Filme und Videos. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit dem menschlichen Körper und seinen Ausdrucksweisen. Gegenwärtig leitet sie ein vom FWF Der Wissenschaftsfonds gefördertes künstlerisches Forschungsprojekt und untersucht „Viszerale Operationen“ (2019-2023). Diesbezüglich ist sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Projektleiterin) tätig. Ihre Dissertation wurde unter dem Titel Die Puppe (1999) veröffentlicht. Thematisch sind ihre Arbeiten an der Grenze von Medizin und Kunst angesiedelt. Zuletzt erschienen: Performing Surgery (2018), Bewegende Gesichter / Moving Faces (2015) und Anatomiestunden / Anatomy Lessons (2013). Weiterführende Publikationen hier.

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