Ruth Sonderegger: Wie über Ungleichheitsregime sprechen? (Konstanz 11.4.2019)

„Wie sprechen, ohne race/class/gender als klapprige Formel in die Hände ihrer Gegner*innen zu legen?”

Impulsvortrag im Rahmen der Frühjahrsakademie Nicht*Sagbar

Ruth Sonderegger

Ansätze der intersektionalen Analyse und Kritik sind seit ihrer akademischen Rehabilitierung doppelt in die Kritik gekommen. Es wird ihnen nicht nur vorgeworfen, zur Verfestigung von (bloß additiv verstandenen) Identitäten beizutragen. Darüber hinaus werden sie häufig mit dem Vorwurf eines Standpunkt-Relativismus und des Vernachlässigens der Klassenfrage in Zusammenhang gebracht. Umso mehr stellt sich die Frage, wie man komplex genug über multiple, ineinander verhakte Ungleichheitsregime – also über gewaltvolle gesellschaftliche Strukturen – sprechen kann; und erst recht, wie man über sie (zum Widerstand) ermächtigend sprechen kann.
Bei der Suche nach Alternativen werde ich mich am Combahee River Collective Statement von 1977 und dem ihm zugrunde liegenden koalitionären Handeln und Denken orientieren.

 

Ruth Sonderegger ist Professorin für Philosophie und ästhetische Theorie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Bis 2009 leitete sie den Lehrstuhl „Metaphysik und ihre Geschichte“ an der Universiteit van Amsterdam. Nach dem Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in Innsbruck, Konstanz und Berlin promovierte sie 1998 an der FU Berlin, 1993-2001 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Institut der FU Berlin, von 2001 – 2009 Dozentin am Philosophischen Institut der Universiteit van Amsterdam. Ihre derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind Kunst- und Kulturwissenschaften, politische Philosophie sowie Kritische Theorie und resistance studies.

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